Chronik der Familie BomertBand 2 · Die 1te bis 4te Generation

Eine frühe Seitenlinie · 1753 bis 2021

Die Kulmer Linie oder: die Rückkehr zum Ausgangspunkt

Der wohl jüngste Bruder Johann Friedrichs (II.) wechselt früh auf die rechte Weichselseite in die Starostei Chelmno. Neun Generationen später führt ein Zweig dieser Linie zurück in das Sauerland — in ein Gebiet, das der Familie Bommert über Jahrhunderte als Ursprung gedient hat.

Stammvater
Peter (I.) Bomert, Sohn Friedrichs (I.), Bruder des Johann Friedrich (II.). Die Chronik führt für sein Geburtsjahr drei verschiedene Ansätze.
Ehen
1753 Eva Cerclau in Swiete Wielki / Groß Schwenten · 1757 Eva Pomplun in Grupa / Kommorsk, Kreis Schwetz
Kinder
Zwei aus erster Ehe (Christian, Gottfried) · drei aus zweiter Ehe (Peter (II.), Johann, Christine)
Namen der Linien
Kulmer Linie nach der Stadt Chelm / Kulm, rund 50 km südlich von Graudenz. Die Hauptlinie heißt nach dem Umkreis von Graudenz die Graudenzer Linie.
Verfolgte Stammreihe
Neun Generationen bis in die Gegenwart. Die weiteren Nachkommen dieser Linie bleiben in dieser Darstellung beiseite.
Wanderungskarte der Kulmer Stammfolge zwischen 1737 und 1920 mit Stationen zwischen Weichsel, Kulm und Sachsen
Wanderung dieser Stammfolge zwischen 1737 und 1920. 1 Neu-Marsau, 2 Deutsch-Westfalen, 3 Groß Schwenten, 4 Grupa, 5 Schönsee, 6 Klammer, 7 Rathsgrund, 8 Neugut, Kölln und Oberausmaß, 9 und 10 Groß Lunau, 11 und 12 der Weg nach Hückeswagen und zurück, 13 der Weg nach Sachsen. Band 2, Karte zur Kulmer Linie

Die Aufteilung

Warum eine Seitenlinie überhaupt erzählt wird

Der Hauptlinie um Johann Friedrich (II.) gilt in diesem Band die größte Aufmerksamkeit. Ein Blick auf die frühe Abzweigung ist trotzdem von Interesse — nicht als Anhang, sondern als Gegenprobe: Eine Familie, die dieselbe Ausgangslage hatte und einen anderen Weg nahm.

Die Linie wechselt sehr früh vom linken auf das rechte Weichselufer, in die Starostei Chelmno, und bleibt dort lange nachweisbar. Der Verfasser nennt sie deshalb nach der alten Stadt Chelm / Kulm, rund 50 Kilometer südlich von Grudziądz / Graudenz.

Die Darstellung beschränkt sich auf einen einzigen Strang der zahlreichen Nachkommenschaft Peters (I.) und lässt alle weiteren beiseite. Der Grund ist nicht Ordnungsliebe, sondern das Bewegungsmuster: Es führt am Ende dorthin zurück, wo die Familie vor ihrer Ankunft in Polen möglicherweise herkam. Wo möglich, nennt die Aufstellung die Zahl der Kinder, damit das Ausmaß der Verzweigung sichtbar bleibt.

Der Name Bommert westlich der Weichsel

Drei Höfe
Auf dem heutigen Gebiet der Stadt Halver nahe Hückeswagen lagen seit dem frühen Mittelalter drei Höfe mit den Namen Niederbommert, Oberbommert und Königsbommert.
Der Nachname
Die Bewohner trugen seit dem 18. Jahrhundert den Nachnamen Bommert. Zuvor wurden sie nach ihrer Herkunft benannt: „Friedrich von Oberbommert“ oder „Johannes von Niederbommert“.
Die Frage
Der Verfasser hält einen Zusammenhang für möglich, aber für nicht bewiesen. Die hier verfolgte Stammreihe ist für ihn ein Indiz, kein Nachweis.

Wie die Chronik damit umgeht. Sie behauptet keine Herkunft. Sie zeigt eine Bewegung — neun Generationen lang nach Osten und Südosten, dann zurück über die Weichsel und schließlich bis an den Westrand des Sauerlandes — und überlässt dem Leser den Schluss.

Die Stammfolge

Neun Generationen in Stichworten

Die Stationen folgen dem Manuskript. Die Zählung beginnt beim Einwanderer Friedrich (I.) und läuft über Peter (I.) und dessen Sohn Johann bis zu den beiden jüngsten Generationen.

  • 1. Generation
    Friedrich (I.) · * ca. 1675, nach 1722 · Einwanderer in Marzy Nowe.
    1. oo Gertrud, * ca. 1680, † ca. 1720 · 2. oo um 1721 Anna (Catharina?), die 1737 in zweiter Ehe Adam Gotke heiratet.
    Vier Kinder: drei Söhne, eine Tochter.
  • 2. Generation
    Peter (I.) · * zwischen 1724 und 1736 · Stammvater der Kulmer Linie.
    1. oo 1753 Eva Cerclau in Swiete Wielki / Groß Schwenten · 2. oo 1757 Eva Pomplun in Grupa / Kommorsk, Kreis Schwetz.
    Zwei Kinder aus erster Ehe: Christian und Gottfried. Drei Kinder aus zweiter Ehe: Peter (II.), Johann und Christine.
  • 3. Generation
    Johann · * ca. 1761 (errechnet), † 1790 · wohnhaft in Klammer.
    oo Christine Rode aus Klammer, geschlossen in Schönsee.
    Vier Kinder: Eva, Peter (III.), Johann und Ferdinand.
  • 4. Generation
    Ferdinand · * 1790 in Klammer, † 1845 in Koelln.
    Wohnorte: Neugut, Niederausmaß, Rathsgrund und Koelln. oo 1814 Anna Buchholz in Klammer.
    Zehn Kinder: drei Söhne, sieben Töchter.
  • 5. Generation
    Friedrich Eduard · * 1835 in Koelln, Todesjahr nicht bekannt · Käthner; wohnhaft in Rathsgrund und Koelln.
    oo Maria Görz.
    Acht Kinder: drei Söhne, fünf Töchter.
  • 6. Generation
    Eduard Friedrich · * 1858 in Rathsgrund, getauft in Groß Lunau, † 1898 in Groß Lunau.
    oo 1884 Auguste Könitz in Groß Lunau.
    Zwei Kinder: ein Sohn, eine Tochter.
  • 7. Generation
    Gustav Friedrich · * 10. November 1886 in Groß Lunau, Kreis Kulm.
    oo 23. September 1911 Luise Marie Zabel in Groß Lunau.
    Neun Kinder, geboren zwischen 1911 und den zwanziger Jahren in Hückeswagen, in Kulm und in Sachsen.
  • 8. Generation
    Geboren 1930 in Großbruch bei Leipzig.
    Die Chronik führt diese Generation mit Namen.
  • 9. Generation
    Lebt in Grimma in Sachsen.
    Auch diese Generation führt die Chronik mit Namen.

Zur Namensnennung der jüngsten Generationen. Das Manuskript nennt die Angehörigen der achten und neunten Generation dieser Linie mit Vornamen und Wohnorten; nach seinen Angaben leben Nachfahren bis heute in Grimma und Bad Lausick bei Leipzig. Für diese Ausgabe werden die beiden jüngsten Generationen ohne Namen geführt. Personendaten von noch lebenden Angehörigen gehören nicht in eine öffentlich lesbare Fassung, solange die Betroffenen nicht zugestimmt haben. Wer die Namen braucht, findet sie im Manuskript.

1911 bis 1920

Die Hochzeitsreise, die keine war

Gustav Friedrich Bommert und Luise Marie Zabel heiraten am 29. November 1911 in Groß Lunau im Kreis Kulm. Kurz nach der Hochzeit verlässt das Paar Westpreußen und zieht an den Westrand des Sauerlandes nach Hückeswagen — mehr als 500 Kilometer, in die Gegenrichtung aller vorherigen Wanderungen.

Der Weg ist auf der Karte des Deutschen Reiches von 1911 bis 1912 nachgezeichnet: von Kulm über die Weichsel, quer durch Posen und Brandenburg, bis nach Hückeswagen im Rheinland. Noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrt das Paar mit seinem in Hückeswagen geborenen ersten Sohn nach Kulm zurück.

Zu Beginn der zwanziger Jahre folgt der zweite Aufbruch. Die instabile politische Lage in Westpreußen im neu gebildeten polnischen Staat veranlasst das Ehepaar, erneut ein entferntes Ziel zu wählen: Großbruch bei Leipzig in Sachsen. In der Nähe, in Grimma und Bad Lausick, leben nach den Angaben des Manuskripts Nachfahren bis heute.

Für die Chronik endet die Geschichte der Kulmer Linie damit nicht in Kulm, sondern im Westen Deutschlands — nach einer Bewegung, die neun Generationen in die entgegengesetzte Richtung geführt hatte.

Eine Unstimmigkeit im Manuskript. Als Hochzeitsdatum nennt es den 29. November 1911, als Geburt des ersten Sohnes den 12. Mai 1911 in Hückeswagen — zwei Angaben, die sich ausschließen, weil die Geburt dann vor der Hochzeit läge. Naheliegend ist eine Verwechslung und ein Geburtsjahr 1912, denn das Ehepaar zog der Darstellung nach erst nach der Hochzeit nach Hückeswagen. Belegen lässt sich das mit den hier vorliegenden Angaben nicht; die Stelle bleibt offen.

Hochzeit
29. November 1911, Groß Lunau, Kreis Kulm
Ziel I
Hückeswagen, Rheinland — Westrand des Sauerlandes
Rückkehr
Nach Kulm, noch vor dem Ersten Weltkrieg
Ziel II
Um 1920 Großbruch bei Leipzig, Sachsen
Karte des Deutschen Reiches mit eingezeichneter Reisestrecke von Kulm nach Hückeswagen und zurück
Der Weg nach Westen und zurück. 1 und 3 = Groß Lunau bei Kulm, 2 = Hückeswagen im Rheinland, 4 = Großbruch bei Leipzig. Die Strecke von 1911 bis 1912 und der Umzug um 1920 auf einer Karte des Deutschen Reiches. Band 2, Karte zur Kulmer Linie

Zur Genauigkeit

Drei Angaben für ein Geburtsjahr

Für Peter (I.) nennt das Manuskript an verschiedenen Stellen drei verschiedene Ansätze, die sich nicht zusammenführen lassen:

  • „* zwischen 1724 und 1736“ in der Stammfolge der Kulmer Linie;
  • „* um 1725 ± 5 Jahre“ in der Darstellung der zweiten Generation, abgeleitet aus dem Tod der zweiten Ehefrau Anna im Jahr 1724;
  • „* vor 1717“ in der zusammenfassenden Übersicht der zweiten Generation.

Die drei Angaben stehen im Manuskript nebeneinander, ohne dass eine von ihnen als die richtige bezeichnet würde. Für diese Ausgabe werden sie deshalb alle drei genannt. Wer die Stammfolge der Kulmer Linie weiterführt, sollte mit dem Ansatz „zwischen 1724 und 1736“ rechnen, weil die beiden Eheschließungen von 1753 und 1757 und das Heiratsalter von 18 Jahren diesen Zeitraum eingrenzen.

Warum solche Stellen stehen bleiben. Eine Chronik, die Widersprüche glättet, verliert ihre Prüfbarkeit. Der Verfasser markiert seine Schätzungen mit „± 5 Jahre“ und schreibt seine Unsicherheit aus. Dieses Projekt übernimmt das.

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Die Hauptlinie setzt sich in denselben Jahren im Kreis Schwetz fort: Gottfried Friedrich (III.) heiratet 1769 in eine Schmiedefamilie ein und bleibt trotzdem Instmann.

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