Chronik der Familie BomertBand 2 · Die 1te bis 4te Generation

Erste Generation · in Polen 1717–1737

Der Einwanderer Friedrich (I.) Pomert / Bomert

Hartes Leben! Früher Tod! — Was von dieser Generation bleibt, sind wenige kirchliche Urkunden, meist Patenschaften bei Taufen befreundeter Familien.

Herkunft
unbekannt; die Urkunden führen Namen aus dem deutschen Sprachraum
Einwanderung
1716 oder 1717 in die Starostei Swiece / Kreis Schwetz, Königreich Polen
Erster Wohnsitz
Marzy Nowe / Neu-Marsau, 1717 bis 1724
Ehen
drei: Gertrud, Anna, Catharina
Kinder
vier: Johann Friedrich (II.), Andreas, Marianne, Peter (I.)
Lebensdaten
um 1685 geboren, gestorben vor 1737 — Schätzungen des Verfassers mit einer Spanne von ±5 Jahren
Historische Karte des Weichseltals mit Marzy Nowe im Zentrum
Das Auswanderungsziel. Marzy Nowe am westlichen Rand des Weichseltals in der Starostei Swiece, im Zentrum der Karte; nordöstlich davon Stare Marzy / Alt-Marsau. Weitere Orte von Bedeutung für die Familie: Groß- und Klein-Schwenten sowie Deutsch-Westfalen, der Wohnort ab 1737. Band 2, Abb. 2 (Karte des Deutschen Reiches 1936)
Kolorierter Stich des 19. Jahrhunderts: eine Familie zieht einen Handkarren mit Esel und Hund über Land
Zeitgenössische Darstellung einer Auswandererfamilie. Ein kolorierter Stich des 19. Jahrhunderts, mit dem das Manuskript sein erstes Kapitel eröffnet: Handkarren, Esel, Kinder auf dem Wagen. Von der Familie dieser Generation existiert kein Bild — sie ist nicht porträtiert worden, und die Kirchenbücher kennen keine Fotografien. Wer hier nach einem Gesicht sucht, sucht vergebens. Band 2, Kapitel 1

Zur Bildlage

Was es von dieser Generation gibt — und was nicht

Das erste Kapitel ist das einzige im Band, das vollständig ohne Porträt auskommen muss. Für die erste Generation liegen keine Geburtsnachweise vor, nur zwei Trauscheine der Söhne und keine Sterbenachweise; kein Bild, keine Beschreibung, keine Grabinschrift. Alles, was über sie zu sagen ist, steht in Patenschaftseinträgen fremder Familien.

Der Stich ist deshalb kein Ersatzporträt, sondern Illustration: Er zeigt den Vorgang, nicht die Personen. Diese Unterscheidung durchzuhalten ist der Grund, warum im ganzen Band keine Zeichnung für einen Vorfahren einsteht — die Abbildungen sind Urkunden, Karten und Fotografien, und sie werden als solche benannt.

So werden die „brutalen“ Erfahrungen zahlloser Auswandergenerationen gewöhnlich in einem Satz zusammengefasst.

Der Verfasser über den Leitsatz „Der ersten Generation der Tod, der zweiten die Not, erst der dritten das Brot!“

Ankunft

Angelockt mit Versprechungen

Wie tausende Siedler vor ihnen und nach ihnen, die über Jahrhunderte hinweg in den Osten strömten, hatten sie ihre Heimat, ihre Verwandten und Freunde verlassen und die Brücken hinter sich abgerissen. Eine ungewisse Zukunft wartete auf sie.

Aus den bis heute aufgefundenen Urkunden geht hervor, dass es Friedrich (I.) Bomert (Pomert) war, seine Ehefrau Gertrud und zumindest ein Sohn, Johann Friedrich (II.), die 1716 oder 1717 in Marzy Nowe eintrafen — vermutlich mit einer größeren Gruppe von Siedlern. Seit wenigstens 1710, so weit reichen die Taufbücher für den Ort zurück, hatte es hier keine Geburten mehr gegeben. Jetzt aber nahmen die Taufeintragungen sprunghaft zu.

Ein zweiter Sohn, Andreas, ist vermutlich ebenfalls noch in der alten Heimat geboren. Der jüngste Sohn Peter (I.) hingegen wohl bereits in Polen — allerdings nicht im Kirchenkreis des Einwanderungsziels. Er muss nach 1724 geboren sein, nachdem die Familie Marzy Nowe wieder verlassen hatte.

Erstmals erwähnt wird die Familie im August 1717, bei der Übernahme eines Patenamtes. Für sämtliche Genannten der Einwanderergruppe liegen keine Geburtsnachweise vor, nur zwei Trauscheine — die der Söhne Andreas und Peter (I.) — und keine Sterbenachweise.

Der Namensbefund. In den Urkunden erscheinen Pomert, Bomert, Bommert, Bomer, Bombert, Bromert, Brom, Brumunt, Bomuard und Bommet. Der Verfasser hält „Bomert“ und „Bommert“ bis auf weiteres für gleichberechtigt: Der Pole spricht den Namen mit kurzem offenem „o“ aus, gerade so wie im Wort „Trommel“. Ob die Familie sich in ihrer Herkunftsregion mit einem oder zwei „m“ schrieb, ist nicht überliefert.
Historische Karte des Weichseltals von Kulm bis Neuenburg
Glaubensflüchtlinge im Tal. Das Weichseltal von Kulm bis Neuenburg mit den Siedlungen, die erhebliche oder überwiegende Anteile mennonitischer und meist auch lutherischer Siedler aufwiesen. Band 2, Abb. 3 · 18. Jahrhundert

Motive

Warum Polen, warum nicht nach Preußen?

Die wahren Gründe kennen wir nicht. Der Verfasser vermutet sie — und benennt ausdrücklich, dass es Vermutungen sind.

01

Wehrdienst umgehen

Wer aus Preußen kommend in Brandenburg oder Ostpreußen neu siedelte, war wieder dem Wehrdienst unterworfen. Wollte man ihn für seine Söhne umgehen, war Polen eine Lösung.

02

Leibeigenschaft entgehen

Auswanderung versprach, einer verhaßten Herrschaft zu entkommen — vorausgesetzt, man hatte die Mittel, sich in der Heimat freizukaufen. Die Loskaufgebühr war gelegentlich gesenkt oder ganz aufgehoben, um „arme Teufel“ loszuwerden.

03

Freier Kolonist sein

In Polen war man als Kolonist „freier“ Bauer, Siedler oder „freier“ Dienstmann — in vollkommen anderer Lage als der leibeigene polnische Bauer, über dessen Leben und Tod der adlige Grundherr bestimmen konnte.

Warum gerade jetzt Siedler gefragt waren

1716 befand sich der polnisch-litauische König, zugleich Sachsenkönig, August der Starke, in einer prekären Situation. Nach der Vertreibung der schwedischen Besatzung durch Russland im Großen Nordischen Krieg hatte sich eine schwelende Auseinandersetzung zu einem blutigen Bürgerkrieg entwickelt: Der nach Freiheit drängende, traditionsbewusste Adel schloß sich in der Konföderation von Tarnogród zusammen; ihm gegenüber stand die auf Zentralisierung drängende Partei des Königs.

Der seit dem Herbst 1715 erbittert geführte Kampf dauerte nach der Unterzeichnung des „Warschauer Pazifikationstraktats“ vom 3. November 1716 noch an und endete erst mit dem Reichstag am 1. Februar 1717. In dieser Endphase war die Gelegenheit gekommen, Siedlern in Polen Sicherheit bieten zu können.

Das Dorf

Marzy Nowe / Neu-Marsau

Ein adeliges Dorf, das 1716 in einem Zug erweitert und verpachtet wurde. Für die Familien, die kamen, war es kein attraktives Ziel.

Marzy Nowe war laut Maercker ein 1676 erstmals erwähntes adeliges „Dorf“ — vermutlich nicht mehr als ein Gehöft. Es ist eine Abspaltung von Marzy Stare / Alt-Marsau, das schon 1470 existierte. Besitzer war zu Anfang des 18. Jahrhunderts Stanislaus Anton Szczuka, Kanzler von Litthauen; über den Erbgang gelangte das Dorf in den Besitz des Grafen Potocki, der noch 1773 Eigentümer war.

Obwohl kein Nachweis vorliegt, muss 1716 eine schlagartige Erweiterung und Verpachtung des adligen Dorfgeländes erfolgt sein. Nach Parzellierung von etwa 25 Hufen 10 Morgen wüsten Landes wurden 13 Bauern angesetzt, der einzelne Bauer mit knapp 2 Hufen — rund 35 Hektar. Neben den Vollbauern siedelten Kätner (Gärtner) und Einlieger, dazu Knechte und Mägde. In kürzester Zeit wird die Vorfahrenfamilie als eine unter etwa 35 Familien ihren Hof errichtet oder ihre Kate bezogen haben.

Der Boden war mittelmäßig: ein Drittel galt als Ackerboden mittlerer Qualität, zwei Drittel als minderwertig, als „fliegender Sand“. Heu konnten die Bauern nicht verkaufen, es reichte nur zum Eigenbedarf; hochwertiger Weizen ließ sich nicht anbauen, und Überschwemmungen brachten stets mehr Sand auf ihren Besitz.

Gründung
1676 erstmals erwähnt (Marzy Kl.), 1682 Marzynowo, 1773 Neu-Marso
Fläche
25 Hufen 10 Morgen parzelliertes Wüstland
Angesetzte Bauern
13 im Jahr 1716
Familien 1773
33, darunter 2 mennonitische
Brutto-Ertrag
353 Reichstaler
Überschuß je Hufe
knapp 5 Reichstaler

Zum Vergleich der zweite Wohnsitz der Familie: In Stwolno Niemieckie / Deutsch-Westfalen ergaben 24 Hufen einen Brutto-Ertrag von 1048 Reichstalern; 17 Bauern teilten sich diesen Ertrag, bei höheren Abgaben etwa 7 ½ Reichstaler je Hufe.

Belege

Die ersten Urkunden, 1717 bis 1741

Alle Urkunden zwischen 1717 und 1724, in denen der Name der Familie aufgeführt ist, sind hier wiedergegeben — sie können im günstigen Fall den Zeitraum des Aufenthaltes eingrenzen.

  • 1717, 7. August Marzy Nowe. Gertruda Bomertowa assistiert neben Catharina Cevencowa; Paten sind Carl Henrik und Dorothea Bargen bei der Geburt der Catharina, Tochter von Jacob Karpat und Ehefrau Anna. Kath. KB Schwetz/Swiece 1711–1752, Mormonen Nr. 1194822
  • 1719, 11. April Marzy Nowe. Gertrud Bomertowa ist neben Joannes Renwans Patin, Assistenten sind Elias Ellel und Marianna Trechlerowa, bei der Taufe der Marianna am 17. April. Kath. KB Schwetz/Swiece 1711–1752, Mormonen Nr. 1194822
  • 1719, 18. Juni Marzy Nowe. Gertrud Pomortowa ist neben Henricus Meller Pate bei der Taufe von Johannes Szywelben. Assistenten sind Martin Gerc, Jacobus Chel… [Rest unlesbar in der Falz verborgen], Catharina Drotowa. Kath. KB Schwetz/Swiece 1711–1752, Mormonen Nr. 1194822
  • 1720, 29. Januar Marzy Nowe. Fridericus Pomert ist neben Anna Grotowa Pate, Assistentin ist Marianna Berentowa, bei der Taufe von Marianna, Tochter von Christian Closs und Ehefrau Anna. Kath. KB Schwetz/Swiece 1711–1752, Mormonen Nr. 1194822
  • 1720, 24. November Swiete (Schwenten). Fridericus Pomert ist neben Barbara Assistent, Paten sind Henricus und Marianna Harnatowa, bei der Taufe von Martinus, Sohn des August Zandzyk und Ehefrau Barbara. Kath. KB Schwetz/Swiece 1711–1752, Mormonen Nr. 1194822
  • 1721, 14. Februar Czaple (Zappeln). Fridericus Pomert ist neben Anna Cybartowa Pate bei der Taufe der Elisabeth am 16. Februar, Tochter des Joannis Cholewius und Ehefrau Eva. Kath. KB Schwetz/Swiece 1711–1752, Mormonen Nr. 1194822
  • 1722, 3. April Stwolno Polskie (Polnisch-Westfalen). Fridericus Pomertus ist neben Catharina Malonowa Assistent bei der Taufe von Henricus Julius, Sohn des Henricus Janc und Ehefrau Elisabeth. Kath. KB Schwetz/Swiece 1711–1752, Mormonen Nr. 1194822
  • 1722, 30. November Marzy Nowe. Geburt und Taufe der Marianna am 8. Dezember, Tochter des Fridericus Pomert und seiner Ehefrau Anna. Paten sind Joannes Cholevius und Elisabeth Jancowa. Kath. KB Schwetz/Swiece 1711–1752, Mormonen Nr. 1194822
  • 1723 Marzy Nowe. Anna Bomertowa ist neben Christian Grasina Patin bei der Taufe von Marianna am 25. Juli, Tochter des Michael Felger und seiner Ehefrau Ertmuta. Kath. KB Schwetz/Swiece 1711–1752, Mormonen Nr. 1194822
  • 1724, 4. August Stwolno Polskie. Anna Bomertowa ist neben … Malon Patin bei der Geburt der Marianna, Tochter des David Meller und seiner Ehefrau Anna. Die letzte Urkunde vor den dreizehn stummen Jahren. Kath. KB Schwetz/Swiece 1711–1752, Mormonen Nr. 1194822
  • 1737, 23. November Stwolno Niemieckie / Deutsch-Westfalen. Anno 1737 d. 23. 9bris .. Adam Gotkie et Catharina Bomerzowa vidua Par. Svec. in Eccla. Swiatensi interrogavi .. Testibus Joanne Knop?, Jacobo Meyster Paro. Swecensis. Die Trauung der Witwe Friedrichs (I.) — der Nachweis, dass er vor 1737 gestorben ist. Kath. K. Schwenten, Mormonenfilmnr. 1194825
  • 1741, 23. April Stwolno Niemieckie / Deutsch-Westfalen. Taufe des Fridericus, geboren am 19. April, Sohn des Johann Bomert und seiner Ehefrau Marianna. Taufzeugen: Johannes Radyia, Catharina Ochomowa. — Der erste Nachweis der zweiten Generation als eigener Haushalt. Kath. TaufB Swiete / Schwenten 1725–1755, Mormonen-FilmNr. 1194825

Was die Patenschaften leisten. Zwischen 1717 und 1724 übernahm die Familie sieben Patenschaften; drei davon außerhalb des Wohnortes, in Schwenten, Zappeln und zweimal in Polnisch-Westfalen. Für alle Orte außerhalb gilt: Es besteht die erhöhte Möglichkeit, hier sehr nahe stehende Familien oder gar Verwandte zu vermuten, für die man den Weg auf sich nahm.

Sozialer Status

Vier Kategorien, eine Wahrscheinlichkeit

Wir besitzen keine zivilen Urkunden, keine Steuerlisten, keine Besitzurkunden, keine Bilder, keine Tagebücher und vor allem keinen Ansiedelungsvertrag. Der Verfasser prüft deshalb vier Berufskategorien, die aus der preußischen Siedlungspolitik bekannt sind.

K1

Vollbauer

Für ausgedehnte schwere Arbeit und Urbarmachung war die Familie mit einem sieben- und einem einjährigen Sohn gewiß nicht gut aufgestellt. Aus den drei folgenden Generationen hat nachweisbar niemand einen Bauernhof geführt.

K2

Kätner / Instmann

Mehrere Familienmitglieder werden später als Instmänner und nach 1800 als sesshafte Eigenkätner fassbar. Die Position eines Kätners ist die wahrscheinlichste.

K3

Knecht und Magd

Mit zwei unmündigen Söhnen eine weite, kostspielige Reise anzutreten, um dann als mittellose Personen in den Stand eines Knechtes zu treten, erscheint nicht wahrscheinlich — ganz ausschließen läßt es sich nicht.

K4

Handwerker

Friedrich (I.) kam offenbar nicht als Handwerker an: Seine Nachkommen bis in die dritte und vierte Generation haben nirgends nachweisbar als Handwerker gearbeitet.

Betrachtet man die weitere Entwicklung unserer Vorfahren, und bedenkt die Erfahrung, dass „der Apfel nicht weit vom Stamm fällt“, müsste man die Position eines Kätners / Instmanns als die wahrscheinlichste ansehen!Der Verfasser, Erstes Generation

Alltag

Erdhütte, Scheune, Öllampe

Ob Pachtbauer oder Kätner — der Kolonist hatte sich nach der Ankunft zunächst beim Grundherrn vorzustellen. Nun erst durfte er in der angewiesenen Landportion mit den Strukturmaßnahmen beginnen. In dem expandierenden jungen Dorf standen die Schaffung notdürftiger Unterkünfte und die Urbarmachung des Landes völlig im Vordergrund.

Eine erste Notunterkunft war die Erdhütte oder Nothütte: halb in die Erde eingegraben, mit leichtem Dach. Durch solche Buden ist letzten Endes das gesamte deutsche Bauerntum in Polen gegangen. Sie sind ein Symbol jener unglaublichen Bedürfnislosigkeit, die die Siedler auf sich nehmen mussten, um zu einem halbwegs gesicherten Dasein in der Fremde zu gelangen. Wasser kam aus neu gegrabenen Brunnen, Licht aus Öllampen.

Für die Frauen hieß es neben der Beteiligung an den Infrastrukturmaßnahmen des Dorfes und dem Dienst für die Herrschaft, die Verpflegung der Familie für den Winter sicherzustellen, an Garten- und Feldarbeit teilzunehmen, Leinen zu weben und Kinder in die Welt zu setzen.

Auf die Kinder wartete Arbeit im Garten und auf dem Feld. Von Schulbildung war in den ersten Jahren sicher keine Rede; die nächste evangelische Schule und Kirche gab es anfangs weit entfernt in Grudziądz / Graudenz.

Freiheitsjahre
in der Regel 7 bis 8 Jahre, abhängig vom Zustand des Pachtlandes
Freiheitsbeginn
Tag des heiligen Adalbert, der 23. April
Erster Zins
Martinstag, der 11. November
Hufe
„ein landwirtschaftliches Gut, welches mit einem Pflug bestellt werden kann“ — rund 17 Hektar
Holz
aus der herrschaftlichen Heide, ansonsten von der Herrschaft direkt

Der kirchliche Befund ist lückenhaft und für sich genommen irreführend: 1674 stand bei einer Überschwemmung das Wasser in der Schwetzer Kirche drei Ellen hoch und vernichtete die Kirchenbücher. Für den Zeitraum zwischen 1676 und 1725 haben sich ausschließlich Taufbücher erhalten; Trau- und Sterberegister sind verloren.

Die Lücke

Stumme dreizehn Jahre

1724 übernahm Anna ein letztes Mal ein Patenamt in Stwolno Polskie. Danach brechen die Nachrichten über die Familie ab. Erst dreizehn Jahre später, 1737, endet die Schweigsamkeit der Quellen. Waren Friedrich (I.) und seine beiden Ehefrauen bis 1724 fast jährlich als Taufzeugen genannt, erschien die Familie nun wie vom Erdboden verschluckt.

Der Verfasser zieht daraus einen Schluß: Die Familie hatte Marzy Nowe verlassen. Eine schwere Erkrankung und der frühe Tod der zweiten Ehefrau Anna ab 1724 könnte eine plausible Erklärung sein — so dass Friedrich (I.), mit drei Kindern im Alter von etwa 15, 9 und 2 Jahren, als möglicher Pachtbauer den Pachthof nicht mehr halten konnte und vorzeitig räumen musste.

Bemerkenswert bleibt, wie spät der Kontakt nach Marzy Nowe abbrach: Als Anna 1724 in Polnisch-Westfalen Pate stand, war die Familie also noch im weiteren Umfeld des Dorfes. Der neue Wohnsitz, den die Witwe Catharina nach ihrer Wiedervermählung bezog, wurde Deutsch-Westfalen.

Vier Jahre nach dieser Trauung wird dort Gottfried Friedrich (III.) geboren, der älteste Sohn von Johann Friedrich (II.) und seiner Ehefrau Marianna. Daher verfolgt der Band die weitere Entwicklung der neuen Familie und die des direkten Vorfahren Friedrich (II.) im nächsten Kapitel gemeinsam.

Die Bibliothek der Familie enthält, so der Verfasser, für die beiden ersten Generationen lediglich einen einzigen Geburtsnachweis — den der Tochter Marianne aus dem Jahr 1722. Die Identifizierung der Personen gelingt dennoch meist erstaunlich einfach, weil es im ganzen Kreis Schwetz bis auf wenige Ausnahmen keine ähnlich klingenden Nachnamen gibt.

Überblick

Friedrich (I.) und seine vier Nachkommen

Stammtafel der ersten Generation — Schätzungen mit einer Spanne von ±5 Jahren
Nr.PersonGeburtTodEhe
(1.) Friedrich (I.) Bom(m)ert (Pomert) um 1685 um 1737 drei Ehen: Gertrud, Anna, Catharina
1.1. Johann Friedrich (II.) Bomert um 1705–1710 kurz vor 1759 um oder vor 1737 Marianne NN
1.2. Andreas Bom(m)ert (Bombert) vor 1717 unbekannt 12.9.1748
1.3. Marianne 8.12.1722 unbekannt 25.11.1745
1.4. Peter (I.) Bomert nach 1724 vor 1789 1753 und 1757

Kinder

Vier Nachkommen, zwei blühende Linien

Quellen: Kath. KB Schwetz/Swiece, Kath. K. Schwenten, Kath. KB Przysiersk / Heinrichsdorf, Kommorsk.

  • Johann Friedrich (II.)1.1 · erste Ehe Unser direkter Vorfahr und Begründer der Graudenzer Hauptlinie, in der der Leitname „Friedrich“ mehrere Generationen übergreifend fortgepflanzt wurde. Erstmals 1741 mit seiner Ehefrau Marianne bei der Geburt des Sohnes Friedrich (III.) erwähnt. Kapitel: Graudenzer Hauptlinie
  • Andreas Bom(m)ert (Bombert)1.2 · erste Ehe Nur in seiner Heiratsurkunde von 1748 ohne Angabe von Eltern, Alter und Geburtsort erwähnt — 31 Jahre nach dem Eintreffen der Familie in Marzy Nowe. Dass er ein „Bomert“ und kein Fremder „Bombert“ war, geht aus der Zeugenschaft seines Bruders hervor: 1748, Sept. 12, Konopat Niemiecki. Trauung des Andreas Bombert u. d. Hevam Willowna. Zeugen: Fridericus Bombert u. Martinus Ledlinck? Danach wurden trotz Suche keine weiteren Nachrichten von Andreas gefunden.
  • Marianne1.3 · zweite Ehe Als einzige ihrer Geschwister in Marzy Nowe geboren. Heiratete am 25. November 1745 Michael Schywelben in Swiete Wielkie / Groß-Schwenten; aus der Ehe ging mindestens ein Kind hervor, Peter, geboren am 23. April 1748. Der Nachname erscheint in den Quellen auch als Schiefelbein, Czywelbom und Cholevius — von polnisch choleva, mundartlich deutsch Schywelben.
  • Peter (I.) Bomert1.4 · dritte Ehe Begründer der heute noch existierenden Kulmer Linie, der seinen Vornamen den nachfolgenden Generationen als Leitnamen verlieh. Er heiratete am 18. November 1753 Eva Cerclau und am 4. Juni 1757 in Grupa Eva Pomplun. Beide Ehepartner sind in der Urkunde als Arbeiter bezeichnet, „Laboriosus“, und alle Anwesenden als „Luterani“. Kapitel: Kulmer Linie
Eine offene Stelle im Manuskript. Für Peter (I.) stehen zwei verschiedene Ansätze nebeneinander: Die Stammtafel der Einwandererfamilie führt ihn als Sohn der dritten Ehe mit dem Vermerk „* nach 1724“, die zusammenfassende Übersicht der ersten Generation dagegen mit „* vor 1717, + vor 1789“. Beide Stellen sind im Band 2 abgedruckt; eine Entscheidung trifft der Verfasser nicht. Der Widerspruch ist hier stehen gelassen, nicht geglättet.

Die Not der zweiten Generation

Johann Friedrich (II.) zieht sechsmal um, im Durchschnitt alle zwei Jahre. Sein Sohn heiratet in eine Handwerkerfamilie ein — und bleibt trotzdem Instmann.

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