Band 2 · Königreich Polen und Preußen · 1717–1863
Ein Lied von Tod und Not?!
Die Auswanderung nach Polen führt den Einwanderer Friedrich (I.) Pomert und seine Familie in die Starostei Swiece, an die Weichsel, nach Graudenz, Kulm und zuletzt nach Russisch-Polen. Vier Generationen, die der Verfasser Stück für Stück aus Kirchenbüchern, Kontributionskatastern und Amtsblättern wieder zusammengesetzt hat.
Gliederung · nach Generationen geordnet
Die vier Generationen
Die Urkunden sind das Gerüst der Kapitel. Für die ersten beiden Generationen sind es wenige Zeilen; ab der dritten wird die Überlieferung dichter, ab der vierten lückenhaft in anderer Weise.
Friedrich (I.) Pomert / Bomert — der Einwanderer
Mit Frau Gertrud und dem ältesten Sohn kommt er 1716/1717 nach Neu-Marsau. Drei Ehen, vier Kinder, und ein Hof, der nach den Freijahren nicht zu halten ist.
Johann Friedrich (II.) — sechs Wohnsitze in zwanzig Jahren
Der Stammvater der Graudenzer Linie zieht als Instmann von Gut zu Gut durch den Kreis Schwetz: alle zwei Jahre ein neuer Hof, alle zwei Jahre ein neuer Kontrakt.
Peter (I.) — Stammvater der Kulmer Linie
Der wohl jüngste Bruder wechselt früh auf die rechte Weichselseite. Neun Generationen später bewegt sich ein Zweig zurück in das Sauerland — und nach Sachsen.
Gottfried Friedrich (III.) — gestorben mit 44 Jahren
Er heiratet in eine Handwerkerfamilie ein und bleibt trotzdem Wanderarbeiter. Im Kontributionskataster steht er ohne Kuh und ohne Schwein; seine Witwe heiratet noch zweimal.
Anna „Maria“ Bommert und Peter Bommert
Ein Musketier, Brenner, Feldscher und Gastwirt mit drei Ehen zwischen Preußisch-Polen und Russisch-Polen — und eine Nichte, die als Baronin durch die Bäder reist.
Der Band in Zahlen
Jahr der Auswanderung in das Königreich Polen. Der früheste Nachweis ist eine Patenschaft im August 1717 in Neu-Marsau.
Generationen, die der Band verfolgt — vom Einwanderer bis zu den Geburten des Jahres 1863.
Abbildungen im Manuskript: Kirchenbuchseiten, Katasterauszüge, Steckbriefe, Wanderungskarten, eine Fotografie.
Zu den Zahlen. Alle Angaben stammen aus dem Manuskript selbst. Jahreszahlen vor 1737 sind Schätzungen des Verfassers; er leitet sie aus den Heiratsjahren der Söhne und damals üblichen Heiratsaltern ab und kennzeichnet sie mit „±5 Jahre“.
Der ersten Generation der Tod, der zweiten die Not, erst der dritten das Brot!
Tod
Friedrich (I.) stirbt vor 1737, geschätzt im Alter von 50 Jahren. Keine seiner drei Ehefrauen erreicht sein Alter.
Not
Johann Friedrich (II.) zieht als Instmann mindestens sechsmal um — im Durchschnitt alle zwei Jahre, mit Familie im Schlepptau.
Brot
Erst die Söhne der dritten Generation verlassen den Wanderberuf: Fleischer, Musketier, Kätner, Landwehrmann.
Aus dem Vorwort
Des Schreibers Käfig
Du bist nur vergangener Wanderer Erkunder.
Du siehst auf Papier entstehen und vergehen.
Kennst nicht ihre Wahrheiten, siehst nicht ihre Wunder,
Nicht die Mühsal, nicht die Qual,
nicht ihr stilles Sinnen,
lautes Lachen und ihre Verehrer`Innen.
Du magst forschend rück- und sternenwärts jagen,
und fühlst doch nie ihr Herz – nur Dein eigenes fragendes: noch schlagen.
J. B.
Der Verfasser setzt dieses Gedicht an die Stelle, an der er davon spricht, dass Biographien über nicht mehr Lebende „leichter“ zu verfassen sind, weil diese sich nicht mehr wehren können. Damit sage das Bild am Ende vielleicht mehr über den Schreiber aus als über sie.
Die Vorlage
Blatt für Blatt von einem Onkel, der im Exil schrieb
Heinrich Bomert verfasste die erste Familiengeschichte unter den schwierigsten Bedingungen — im Exil, in englischer, deutscher und polnischer Sprache, ohne praktische Möglichkeit, alte Urkunden einzusehen, und ohne geeignetes Kartenmaterial. Seine Aufzeichnungen sind der Ausgangspunkt von Band 2; der Verfasser hat sie um eine archivalisch begründete Basis ergänzt.
Was fehlte, beschreibt Heinrich selbst: „Bis 1948 hatte ich eine grosse Landkarte von Polen (1 × 1,5 m), eine zweite von Deutschland, dort hatte ich jeden Ort, der mich betraf, schön bezeichnet. Leider wurden sie mir gestohlen – weil es tatsächliche Seltenheiten waren, jedes Dorf, sogar einzelne Häuser.“
Seine Erzählung von einem französischen Arzt namens Julian de Bonmert, der 1812 mit der napoleonischen Armee bis Moskau zog und verletzt in Polen blieb, hat nach dem heutigen Kenntnisstand einen historischen Kern — als Herkunftsgeschichte der Familie ist sie widerlegt. Eine Enkelin erhielt nach ihr den Vornamen „Ciel“.
Anhang
Was im Anhang steht
Die Anhänge teilen sich in einen familiären und einen allgemeinen Teil. Der familiäre Teil gibt die Urkunden mit Anmerkungen wieder; der allgemeine Teil legt dar, unter welchen Bedingungen die vier Generationen gelebt haben.
Anmerkungen und Urkunden sowie die „nackte“ Stammfolge
Vier Abschnitte, je einer pro Generation: die Patenschaften, Trauungen und Taufen, die den Aufenthalt der Familie datieren.
Drei historische Quellen zu den frühen Wohnsitzen
Marzy Nowe / Neu-Marsau, Stwolno Niemieckie / Deutsch-Westfalen und Muntawy / Muntau — nach Maerckers Kreischronik und dem Preußischen Kontributionskataster von 1772/73.
Die Romanfigur Anna Maria Bommert in „Die Gartenlaube“ 1856
Der Fall einer Diebin aus Neudorf bei Graudenz wurde in der Leipziger Familienzeitschrift als Romanfigur verarbeitet — vollständiger Wiederabdruck des Heftes 45.
Der „Ruf nach Osten“, das Agrarspektrum und die Geschichte Polens
Das preußische Einladungspatent von 1711, die vier Stände der Kolonisten, Instmann und Kätner, Vollbauer und Vorwerk — und die Teilungen Polens von 1772 bis 1795 mit den Aufständen von 1768, 1794, 1831 und 1863.
Literatur, Maße, Abkürzungen und Begriffslexikon
Maercker, die Kontributionskataster, das Geographische Lexikon des Königreichs Polen; dazu Hufe, Morgen und Reichstaler sowie die Begriffe, die in den Kapiteln ständig wiederkehren.
Der Band beginnt mit einem Grab ohne Nachweis
Für sämtliche Genannten der Einwanderergruppe liegen keine Geburtsnachweise vor, nur zwei Trauscheine und keine Sterbenachweise. Die erste Generation ist die am dünnsten belegte — und die, ohne die es die übrigen nicht gibt.